Darf’s auch ein bisserl wärmer sein?

Was ein Temperaturanstieg von 2,6° C und von 8,5° C für die Region Basel bedeutet.

Die Szenarien des National Centre for Climate Services (NCCS) beschreiben, wie sich unser Klima bis Mitte dieses Jahrhunderts und darüber hinaus verändern kann. «Trockene Sommer», «Heftige Niederschläge», «Mehr Hitzetage» und «Schneearme Winter» sind absehbare Folgen für die Schweiz. Die Klimaszenarien verbinden Simulationen modernster Klimamodelle mit Beobachtungen bisheriger Trends und erlauben den bisher genauesten Blick in die Klimazukunft unseres Landes und der Region Basel.

© Klimaszenarien CH2018

Die Erderwärmung kann bestenfalls auf die Werte des Emissionsszenarios RCP2.6 begrenzt werden im Extremfall gemäss dem Szenario RCP8.5. Bestenfalls bedeutet ein konsequenter Klimaschutz: mit einer umgehend eingeleiteten Senkung der Emissionen auf praktisch null wird der Anstieg der Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre bis etwa in 20 Jahren gestoppt. Damit lassen sich die Ziele des Pariser Klimaabkommens von 2015 wahrscheinlich erreichen und die globale Erwärmung auf 2 Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Zustand begrenzen. Kein Klimaschutz (RCP8.5) bedeutet: Klimaschutzmassnahmen werden nicht ergriffen. Trotz des technischen Fortschritts nehmen daher die klimawirksamen Emissionen stetig zu – und mit ihnen die Erwärmung.

© Klimaszenarien CH2018
© Klimaszenarien CH2018

Schweiz besonders betroffen

In der Schweiz ist es heute schon deutlich wärmer. Die bodennahe Lufttemperatur hat über die letzten 150 Jahre um etwa 2 Grad Celsius zugenommen – deutlich stärker als im weltweiten Durchschnitt. Neun der zehn wärmsten Jahre seit Messbeginn lagen im 21. Jahrhundert. Auch Starkniederschläge sind häufiger und stärker geworden.

Im Jahrhundertsommer 2003 gab es 42 Hitzetage mit einer Temperatur von über 30 Grad Celsius. Dies führte zu einer deutlich erhöhten Sterblichkeit: Im Sommer 2003 starben 975 Personen mehr als sonst zu der Jahreszeit üblich. Der Hitzesommer von 2015 als zweitwärmster der 152-jährigen Messgeschichte übertraf im Juli und August sogar die Werte das Jahres 2003, und im Jahr 2018 ist ein weiterer neuer Rekordsommer zu verzeichnen. Die Hitzebelastung wird auch in der Schweiz und v.a. in städtischen Gebieten weiter zunehmen. Die nachfolgend aufgeführten Werte zeigen, wie sich die Situation für die Station Basel Binningen entwickeln. Diese Station liegt in erhöhter Lage über dem Margarethenpark bei der Sternwarte. Innerhalb der Stadt wären die Werte für Basel noch deutlich höher.

 

Ein Klima, das krank macht

Die mit dem Temperaturanstieg verbundenen Auswirkungen für die Stadt und deren Bewohnende sind jedoch mit erheblichen Risiken verbunden. Die Auswirkungen von heisserem und sonnigerem Wetter auf Gesundheit und Leistungsfähigkeit sind

© Klimaszenarien CH2018
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  • Vermindertes Wohlbefinden
  • Häufigere Erkrankungen und Todesfälle, v.a. bei älteren oder geschwächten Personen und Kleinkindern
  • Zunahme von Atemwegsbeschwerden und -krankheiten sowie Herz/Kreislauferkrankungen bei stabilen Hochdrucklagen mit stark erhöhten Ozonwerte (Sommersmog)
  • Erhöhtes Hautkrebsrisiko durch intensivere Sonneneinstrahlung
  • Reduzierte Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit an Arbeitsplätzen.

Und erhöhte Risiken durch Allergene und Infektionskrankheiten:

© Klimaszenarien CH2018
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  • Ausbreitung allergener Pflanzen, Verlängerung der Saison für pollenbedingte Allergien (Heuschnupfen, Asthma etc.)
  • Vermehrtes Auftreten von übertragbaren Krankheiten (Zecken, Mücken etc.)
  • Ausbreitung von Zecken in höhere Lagen
  • Vermehrtes Auftreten von Krankheiten, die durch Keime im Wasser oder verdorbene Nahrungsmittel verursacht werden.

Noch haben wir die Wahl: konsequenter Klimaschutz, wie wir es fordern, oder kein Klimaschutz – keine gute Wahl!

Text erschienen im Grünwärts Januar 2019.

Telefon: 061 361 14 50

Infos zur Person

Mandate

  • Im Grossen Rat 02.02.2005-12.02.2019 (UVEK-Präsident von 07.02.2007 bis 12.02.2019)