Verkehrswende in Basel nötig

Die Region profitiert ökonomisch und ökologisch von weniger Autoverkehr.

Basel galt lange als schweizweites Vorbild in Sachen Verkehr und kann es wieder werden: Wir brauchen dazu eine Wohnstrategie, wie wir sie mit Basel 2035 formuliert haben. Damit wird das autofreie Leben zum Mass und Dichte entsteht nicht auf Kosten von Grünraum. Viel mehr Menschen können wieder in der Nähe ihres Arbeitsplatzes wohnen und es sich auch leisten, denn auf den Bau teurer Tiefgaragen kann weitgehend verzichtet werden. Aber auch die BesucherInnen aus der Agglomeration kommen sicher und günstig voran: Die Veloschnellrouten durchkreuzen die Region aus allen Himmelsrichtungen und verbinden so alle wichtigen Ziele. Bei uns sind ja über die Hälfte aller Autofahrten kürzer als fünf Kilometer und eignen sich also bestens fürs (E-)Velo (siehe unten).

Mobilitätskarte statt U-Abo

Wem das zu sportlich ist, kann Mobilitätsdienstleistungen bequem mit der Mobilitätskarte nutzen. Andere Städte haben ihre Abo-Karten längst zu integralen
Mobilitätskarten weiterentwickelt: Es ist möglich, analog oder digital sämtliche Angebote vom klassischen öffentlichen Verkehr über Miet(cargo)-velos bis hin zu Heimlieferungen von sperrigen und schweren Dingen und auch mal eine Fahrt im umweltfreundlichen Leihauto zu nutzen. Denn steht das Auto nicht vor der Haustüre parat, wird Mobilität zielgerichtet und sparsamer konsumiert.

Volkswirtschaftlich lohnte dies sowieso: Die Luftverschmutzung alleine führt jährlich wiederkehrend zu je 100 Millionen Franken Gesundheitskosten in den beiden Basel. Bezahlen darf die Allgemeinheit.

Neben Geld wird auch jede Menge Platz eingespart. Die Stadt Basel besteht zu rund einem Drittel aus Verkehrsfläche, davon dient der grösste Teil dem ruhenden und rollenden Autoverkehr. Der so gewonnene Platz könnte einerseits für sichere und durchgehende Infrastruktur für VelofahrerInnen und FussgängerInnen sowie hindernisfreiem öffentlichen Verkehr neu gestaltet werden. Anderseits entsteht Raum für das lustvolle und begegnungsreiche Stadtleben sowie die Anpassung an die Klimaveränderung durch mehr Begrünung und unversiegelte Flächen auf Allmend.

Kostenwahrheit herstellen

Es geht also im Grundsatz darum, Kostenwahrheit im Verkehr einzufordern und den begrenzten Raum vom Auto zu den umweltfreundlichen Verkehrsarten umzuverteilen. Gleichzeit müssen die Mobilitätsdienstleistungen so um- und ausgebaut werden, dass alle ohne eigenes Auto mobil sind. Das ist grün, gemeinschaftlich und zukunftstauglich. Schade nur, dass ASTRA, BVD und BUD lieber über einem Autobahnring brüten…

Artikel erschienen im Grünwärts April 2019.

Raphael Fuhrer

Grossrat
Umwelt, Verkehrs- und Energiekommission (UVEK) seit 08.06.2016
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