Der Waschbär (Procyon lotor) ist ursprünglich nicht in der Schweiz heimisch und breitet sich seit einigen Jahren zunehmend auch in urbanen Gebieten aus. Beobachtungen und Meldungen aus dem Kanton Basel-Stadt deuten darauf hin, dass sich diese Art vermehrt in Wohnquartieren, Grünanlagen sowie in der Nähe von Gewässern aufhält. Waschbären können Schäden an Gebäuden verursachen, insbesondere in Dachstöcken, und stellen zudem ein Risiko für einheimische Tierarten dar, deren Nester sie plündern. Auch hygienische Probleme durch Kotablagerungen sowie mögliche Krankheitsübertragungen sind nicht auszuschliessen.

Gleichzeitig ist der Umgang mit Waschbären aus tierschützerischer Sicht umstritten. Insbesondere der Abschuss von Tieren wirft Fragen hinsichtlich Verhältnismässigkeit und Tierwohl auf. So besteht die Gefahr, dass durch den Abschuss von Muttertieren Jungtiere verwaisen und qualvoll verenden. Zudem ist umstritten, wie wirksam Abschüsse in dicht besiedelten urbanen Räumen überhaupt sind und ob sie langfristig zur Eindämmung der Population beitragen.

Vor diesem Hintergrund wird der Regierungsrat gebeten, folgende Fragen zu beantworten:

  1. Wie schätzt der Regierungsrat die aktuelle Verbreitung und Populationsentwicklung von Waschbären im Kanton Basel-Stadt ein?
  2. Welche Kenntnisse liegen dem Kanton über Schäden durch Waschbären (an Gebäuden, an der Biodiversität etc.) vor?
  3. Wie viele Waschbären wurden in den letzten fünf Jahren im Kanton Basel-Stadt abgeschossen oder anderweitig getötet?
  4. Zu welchen Jahreszeiten fanden diese Abschüsse statt, und wie wird sichergestellt, dass keine abhängigen Jungtiere zurückbleiben?
  5. Gibt es Schätzungen oder Erkenntnisse darüber, wie viele Jungtiere infolge solcher Massnahmen verwaist sind?
  6. Welche rechtlichen und operativen Vorgaben bestehen für den Abschuss von Waschbären im urbanen Raum, insbesondere im Hinblick auf Tierschutz und Sicherheit?
  7. Wie beurteilt der Regierungsrat die Wirksamkeit von Abschüssen zur nachhaltigen Eindämmung der Waschbärpopulation?
  8. Welche nicht-letalen Alternativen zum Abschuss (z. B. Vergrämungsmassnahmen, bauliche Prävention) werden geprüft oder bereits angewendet?
  9. Welche Erfahrungen aus anderen Städten oder Regionen liegen zu solchen alternativen Ansätzen vor, und inwiefern werden diese in Basel-Stadt berücksichtigt?
  10. Inwiefern arbeitet der Kanton Basel-Stadt mit Nachbarkantonen sowie mit Behörden in Deutschland und Frankreich zusammen, um eine koordinierte und möglichst tierschonende Strategie zu verfolgen?
  11. Wie wird die Bevölkerung über präventive Massnahmen informiert (z. B. Sicherung von Abfall, Verhalten bei Sichtungen), um Konflikte mit Waschbären möglichst zu vermeiden?
  12. Sieht der Regierungsrat Handlungsbedarf, die bestehende Strategie im Sinne eines stärker präventiven und tierschutzorientierten Ansatzes anzupassen?

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