Cramer muss über die Bücher

Eine Interpellation von GAB-Grossrat Oliver Bolliger, eine inakzeptable Antwort der Regierung und zwei entrüstete und engagierte Jungparteien bilden die Protagonist*innen dieser kleinen Polit-Geschichte.

Es begann am 12. Januar 2022, als Oliver Bolliger eine Interpellation betreffend Schlussfolgerungen aus der «Swiss Corona Stress Study» einreichte. Einen Monat später wurde die Antwort des Regierungsrats veröffentlicht, in der steht, dass keine Massnahmen ergriffen würden. Unter anderem fand sich in der Beantwortung folgender Satz: «Sich in einem unpassenden Bildungsgang zu befinden oder diesen anzustreben, generiert nachvollziehbarerweise Stress, unabhängig von der temporären Corona-Situation, die erschwerend dazu kommt.»

Die beiden Jungparteien jgb und JUSO hatten davon natürlich auch Wind bekommen. Die Regierungsratsantwort landete in den beiden Vorstands-Chats und mit ihr die Empörung. Diese Antwort missachtete die Situation von zahlreichen Schüler*innen und Studierenden. Die meisten von ihnen sind selbst noch Schüler*innen oder hatten die Pandemie noch in der Schule erlebt. Welche psychischen Belastungen das bedeutete, hatten sie am eigenen Leib erlebt. Für sie stand fest, dass etwas getan werden muss.

Druck auf Cramer wirkte

Anschliessend ging alles sehr schnell. Das jgb entschied sich für einen offenen Brief an Regierungsrat Conradin Cramer, und die JUSO war einverstanden. Noch am selben Tag wurde er verfasst und eine Medienmitteilung geschrieben. Von da an ging es um das Unterschriftensammeln bei den Schüler*innen. Der Erfolg war bemerkenswert: Über 300 Schüler*innen aus ganz Basel-Stadt unterschrieben den offenen Brief innerhalb von zehn Tagen. Ein Beitrag bei Telebasel sowie eine Einblende im Telebasel Talk mit Regierungsrat Cramer folgten.

Zum Schluss übergaben vier Vertreterinnen der beiden Jungparteien die Unterschriftenbögen persönlich im Erziehungsdepartement und wurden zu einem Gespräch eingeladen. Conradin Cramer gab dabei zu, dass die Antwort auf die Interpellation «unglücklich formuliert» gewesen sei, und sprach sich für Unterstützung der betroffenen Jugendlichen aus.

Nun sind das jgb und die JUSO gespannt, ob sich daraus Veränderungen entwickeln, und erhoffen sich für die betroffenen Schüler*innen ein gutes Ende.

Schon seit Beginn der Pandemie setzt sich das jgb für die Unterstützung Jugendlicher mit psychischer Belastung ein. Mit dieser Aktion nach #vergesstunsnicht haben wir gezeigt, dass wir dranbleiben und auch in Zukunft nicht lockerlassen.

Erschienen im Grünwärts Nr. 29, April 2022.

Helma Pöppel, Vorstand jgb