Liebe Mitstreiter:innen

Schön, dass ihr alle hier seid.
 Schön, dass wir gemeinsam laut sind.
 Und schön, dass wir heute gemeinsam ein klares Zeichen setzen – gegen Abschottung und für Solidarität!

Der 1. Mai steht für Zusammenhalt, für Würde in der Arbeit und für Gerechtigkeit.
 Und genau darum geht es heute.

Ich spreche über eine Initiative, die all das gefährdet: die sogenannte «Chaos-Initiative» der SVP.

Unter dem Motto «Jobs und Löhne verteidigen – Nein zur Abschottung» sagen wir klar:
 Wir stehen für starke Arbeitsbedingungen, für wirksamen Lohnschutz und für faire Gesamtarbeitsverträge.

Denn eines ist klar:
 Diese Initiative bringt keine Lösungen – sie schafft Probleme.

Wir leben bereits in unsicheren Zeiten.
 Und was macht diese Initiative?
 Sie sorgt für noch mehr Unsicherheit.

Sie gefährdet den bilateralen Weg mit der EU – und zwar ab dem Moment ihrer Annahme.
 Für uns als Grenzregion sind gute Beziehungen zu unseren Nachbar:innen zentral.

Fällt die Personenfreizügigkeit, fallen auch die übrigen bilateralen Verträge.
Und wer das riskiert, setzt Arbeitsplätze, Forschung, Bildung und unseren Wohlstand aufs Spiel.

Gleichzeitig verschärft die Initiative den Fachkräftemangel massiv. 
Im Gesundheitswesen. In der Pflege. Auf dem Bau. In der Forschung.

Das bedeutet: 
noch mehr Druck auf Arbeitnehmende,
 noch schlechtere Arbeitsbedingungen,
 noch weniger Versorgungssicherheit für uns alle.

Und trotzdem behauptet diese Initiative, unsere Probleme zu lösen.

Aber:
 Sie macht keine Wohnung billiger.
Sie baut keine neuen Häuser.
Sie löst keinen Stau.
 Und sie schafft keinen einzigen zusätzlichen Sitzplatz im Zug.

Die Wahrheit ist:
 Hohe Mieten bekämpft man mit Wohnbaupolitik.
 Verkehrsprobleme löst man mit Investitionen in den öffentlichen Verkehr.
 Und Umweltprobleme löst man mit konsequentem Klima- und Bodenschutz – nicht mit Abschottung!

Doch besonders gravierend ist etwas anderes:

Diese Initiative greift grundlegende Rechte an.
Sie setzt das Asylrecht unter Druck.
 Sie schränkt den Familiennachzug massiv ein.

Ich selbst bin im Rahmen des Familiennachzugs in die Schweiz gekommen.
 Nach dieser Logik hätte ich vielleicht nie hier sein dürfen.

Und heute?
 Heute stehe ich hier.
 Setze mich ein – für diese Stadt, für dieses Land.

Das zeigt doch: 
Migration ist keine Bedrohung.
 Migration ist Teil unserer Gesellschaft.

Die Initiative droht sogar, alte, ungerechte Modelle wie das Saisonnierstatut zurückzubringen –
ein System, das Menschen voneinander trennt und diskriminiert.

Das ist nicht die Schweiz, für die wir stehen.

Wir stehen für eine andere Schweiz:
 Eine offene Schweiz.
Eine solidarische Schweiz.
 Eine gerechte Schweiz.

Eine Schweiz, die schützt statt ausgrenzt.
Die zusammenhält statt spaltet.
 Und die allen Menschen gleiche Rechte und faire Chancen gibt.

Danke, dass ihr heute hier seid.
Danke, dass ihr laut seid – auch für jene, die nicht hier sein können.

Für jene, die oft zu wenig gesehen werden.
Für jene, die arbeiten, pflegen, sorgen und dieses Land jeden Tag mittragen.

Eure Präsenz gibt Kraft.
 Eure Stimmen machen den Unterschied.

Gemeinsam sagen wir:
 Nein zur Abschottung.
Ja zu Solidarität, Gerechtigkeit und starken Arbeitsrechten.

Danke euch!