Interpellation betreffend Ermöglichung der Übergangs- und Nachsorgebegleitung zur Reduktion des «Drehtürphänomens» in der Psychiatrie
Die Klinik Sonnenhalde in Riehen hat ein wegweisendes Konzept der Übergangs- und Nachsorgebegleitung erarbeitet, welches zu einer klaren Verbesserung für Patientinnen und Patienten nach stationärer Behandlung in der Klinik führt. Das Gesundheitsdepartement ist darüber bereits in Kenntnis gesetzt worden.
Es können mit diesem Konzept Beiträge geleistet werden, um Versorgungslücken zu schliessen. Das Risiko einer chronischen Folgekrankheit durch verspäteten Therapieentritt, inadäquate Therapie oder fehlende Anschlusstherapie kann reduziert werden. Das Risiko eines Wiedereintritts in eine psychiatrische Klinik, der sog. Drehtüreffekt kann reduziert werden. Alle diese positiven Folgen der neuen Übergangs- und Nachsorgebegleitung haben kostendämmende Wirkung.
Fachpersonen nehmen die Funktion eines Personal Health Coachings ein. Bereits beim Klinikaufenthalt erfolgen die Kontaktaufnahme und Vorbereitungsmassnahmen. In der sensiblen Phase des Klinikaustritts werden die Patientinnen und Patienten begleitet, verfügen über eine Ansprechperson. Ziele dieser Begleitung sind die Erhöhung der Gesundheitskompetenz und der Selbstwirksamkeit. Das Risiko des Wiederintritts liegt gemäss Studien in den ersten zwei Monaten nach Austritt bei ca. 30%. Diese Fachpersonen begleiten Klinikentlassene über diese heikle Phase hinaus, was zum Erreichen der gesetzten Ziele beiträgt.
Dieses Pilotprojekt ist personalintensiv. Die Fachkräfte sind vorhanden. Sie müssen über einen Hintergrund in Sportwissenschaft, Physiotherapie und Psychologie verfügen, einen CAS Personal Health Coach abgeschlossen haben und EMR qualifiziert sein.
Diese Pilotprojekt verbessert die Situation der Patientinnen und Patienten und hilft auch Kosten einzusparen, wenn damit eine erneute stationäre Behandlung verhindert werden kann. In einer späteren Phase könnten auch andere Kliniken von den Erfahrungen des wissenschaftlich begleiteten Pilotprojekts profitieren.
In diesem Zusammenhang bitte ich den Regierungsrat um die Beantwortung der folgenden Fragen:
- Erachtet der Regierungsrat den «Drehtüreffekt» für die Patientin oder den Patienten als belastend?
- Erachtet der regierungsrat den «Drehtüreffekt» als kostensteigernd und wenn ja, kann eingeschätzt werden, wieviele Kosten deswegen anfallen?
- Hält es der Regierungsrat für angebracht, Massnahmen gegen den Drehtüreffekt zu ergreifen und wenn ja, welche?
- Hält der Regierungsrat die im Pilotprojekt verlangte interdisziplinäre Befähigung der Personal Health Coaches für geeignet, die Patientinnen und Patienten nach Klinikaustritt begleiten zu können?
- Ist der Regierungsrat bereit, ein solches Pilotprojekt der Klinik Sonnenhalde zu unterstützen?