Die fortschreitende Klimakrise führt auch in Basel-Stadt zu Hitzewellen. Der Regierungsrat hat in der Beantwortung der Interpellation Oliver Thommen betreffend “Massnahmen während Hitzeperioden” festgestellt, dass sich die Hitzeperioden und Trockenzeiten häufen (werden).1 Hitzewarnungen, Informationskampagnen und Sonnenschirme reichen nicht mehr aus, um die Bevölkerung wirksam zu schützen.

Von extremer Hitze sind insbesondere vulnerable Gruppen wie Kleinkinder (unter zweijährig), ältere Menschen (über 65-jährig), Schwangere und chronisch Krank besonders gefährdet. In unseren dicht bebauten Quartieren heizen sich Wohnungen und der öffentliche Raum massiv auf, wobei viele Betroffene in ihren eigenen vier Wänden keine Möglichkeit mehr haben, sich abzukühlen.

Eine im Mai 2025 veröffentlichte Studie der OST Fachhochschule belegt, dass öffentlich zugängliche, klimatisierte oder natürlich kühle Orte eine effektive und kostengünstige Schutzinfrastruktur darstellen.2 Sie bieten eine notwendige Ergänzung zu langfristigen baulichen Sanierungen von Wohnraum. Andere Kantone haben die Dringlichkeit erkannt und Massnahmen ergriffen. So verfügt der Kanton Waadt über ein «Plan Canicule» und der Kanton Genf hat unter anderem kühle Rückzugsorte eingerichtet und ein breites Warnnetzwerk erstellt.

Unter “Kühlen Räumen” (bzw. “Cooling Rooms”) versteht man (halb-)öffentlich zugängliche Innenräume, die verlässlich eine deutlich niedrigere Temperatur als die Aussenumgebung aufweisen. Sie dienen als temporäre Zufluchtsorte, in denen sich der menschliche Körper vom Hitzestress erholen kann. Damit sich der Körper von Hitzestress erholen kann, ist laut Gesundheitsschutz eine Temperatur von 24° nötig.

Der Kanton Basel-Stadt verfügt zwar über eine Liste öffentlich zugänglicher Räumlichkeiten auf der Homepage des Gesundheitsdepartements. Die aktuelle Hitzewelle zeigt jedoch gravierende Lücken in diesem Angebot: Einige der gelisteten Räume werden nicht aktiv gekühlt und heizen sich bei anhaltenden Extremtemperaturen selbst auf, zudem schliesst z.B. das Angebot Foyer Public vom Theater Basel während der heissesten Jahreszeit (22.6.-21.8.26). Zudem verzichtete das Gesundheitsdepartement bis jetzt darauf, Hitzeschutzmassnahmen und Tipps über seinen Whatsapp-Kanal des Gesundheitsdepartements zu verbreiten. Dies wirft Fragezeichen bezüglich der Kommunikationsstrategie des Gesundheitsdepartements und der Anerkennung der Dringlichkeit des Themas auf.

Der Kanton besitzt mit den staatlichen Museen bereits eine hervorragende klimatisierte Infrastruktur, die jedoch durch Eintrittshürden blockiert wird. Auch die GGG-Bibliotheken bieten ein grosses Potenzial als quartiernahe Rückzugsorte, sofern sie kühl gehalten werden können. Darüber hinaus gilt es, das Potenzial privater Lokale auszuschöpfen: Durch Kooperationen könnten beispielsweise in Einkaufsläden, Einkaufszentren, Apotheken und Lokalen konsumfreie Sitzgelegenheiten für hitzegeplagte Quartierbewohnende geschaffen werden.

Kühle Räume nützen jedoch nur denjenigen, die sie erreichen können. Für Menschen mit starken Mobilitätseinschränkungen und/oder chronischen Erkrankungen wie ME/CFS kann der Weg durch die Hitze eine unüberwindbare und gesundheitsgefährdende Barriere
darstellen.

Die Unterzeichnenden fordern den Regierungsrat auf, das bestehende Hitzeschutzkonzept zu überarbeiten und insbesondere

  • die staatlichen Institutionen (wie die Museen) für die Bevölkerung (oder zumindest für alle vulnerablen Gruppen unabhängig vom Alter) kostenlos als Cooling Rooms zu öffnen.
  • den öffentlichen Verkehr (BVB) während akuter Hitzeperioden kostenlos zur Verfügung zu stellen, um die klimatisierten Trams und Busse als Kühlräume zu nutzen.
  • mit Dritten (wie Einkaufszentren) zusammenarbeiten, um zusätzliche kühle Räume und konsumfreie Orte zu schaffen.
  • Mobilitätseingeschränkte Personen dabei zu unterstützen (z.B. mit Shuttle- oder Taxi-Angeboten), sicher von ihrer Wohnung zum nächsten Cooling Room und zurück zu kommen.
  • Mit geeigneten Massnahmen sicherzustellen, dass betroffene und vulnerable Personen darüber informiert werden, welche kühle Räume in ihrer Nachbarschaft nutzbar sind.

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